Eco statt Ego

Es ist ein trüber, kalter Vormittag im Februar, als wir uns mit Markus Gwiggner zum Interview treffen. Online versteht sich. Das Wetter draußen ist uns einerlei. Denn wir sitzen im gemütlich warmen Büro. Unsere Redakteurin in Kramsach, Markus Gwiggner nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt in Wörgl. „Eigentlich mag ich persönliche Treffen lieber, doch die Kommunikationstechnologien der Gegenwart erleichtern die Arbeit enorm“, erklärt er zu Beginn unserer Videokonferenz via Skype. Und Arbeit gibt es für Gwiggner und seine acht MitarbeiterInnen derzeit mehr als genug. styleflasher.new media mit Sitz in Wörgl gehört zu den führenden Internet- und Onlineshop-Agenturen des Landes, gegründet im Jahr 2000 vom damals gerade einmal 22-jährigen Markus. 

Offenheit und Vernetzung

Auch sonst scheint das Tun und Machen dem Unterländer leicht von der Hand zu gehen. Landesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Tirol, Landesvorsitzender des Wirtschaftsforums der Führungskräfte Tirol, Ausschussmitglied der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation, Sprecher der neuen Innovationsplattform i.ku und einiges mehr – wir staunen ob den zahlreichen Posten nicht schlecht und fragen Gwiggner nach der Feder seines Antriebes. Die Antwort kommt prompt: „Der Wunsch, etwas bewegen zu wollen war und ist bei mir sehr ausgeprägt. Und das geht am besten über Netzwerke. Mir geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen und zu verbessern. Besonders für junge Unternehmer und Gründerinnen.“ Doch auch die Vernetzung zwischen etablierten Playern ist Markus Gwiggner ein Anliegen: „Bei styleflasher pflegen wir eine Unternehmenskultur der Offenheit. Und die Digitalisierung birgt gerade für Kreative enormes Potential. Wir arbeiten auch bei Aufträgen von Tiroler Kunden schon seit geraumer Zeit mit ausländischen Agenturen und realisieren mit Experten in Berlin, München oder der Schweiz gemeinsame Projekte.“

Kreatives Unterland

Dem Standort Tirol attestiert Gwiggner Positives, doch es gelte den Anschluss nicht zu verlieren, so der 39-Jährige: „Die Natur und das Sportangebot machen unser Bundesland sehr lebenswert, gerade für Menschen in der Kreativwirtschaft also ein idealer Nährboden für eine gesunde Work-Life-Balance. Allerdings stolpern wir Tiroler manchmal über unsere begrenzten Denkmuster. Die müssen wir überwinden. Denn gerade die Mitbewerber aus dem Raum Bayern geben derzeit ordentlich Gas.“  Die Nähe zum Großraum München biete für das Tiroler Unterland deshalb Herausforderungen und Chancen gleichermaßen, meint Gwiggner: „Dass die Unterländer Agenturen ganz vorne mitmischen, zeigte sich zuletzt beim Tirolissimo 2017. Impalawolfmitbiss, Das Buero ohne Namen und Die Wilden Kaiser haben mit ihren hervorragenden Arbeiten das kreative Potential der Region eindrucksvoll unter Beweis gestellt“.

Egosysteme aufbrechen, Ecosysteme aufbauen

Sich auf Lorbeeren auszuruhen, hat aber selten gutgetan. Deshalb haben sich Gwiggner und seine Mitstreiter von i.ku die Zukunft auf die Fahne geheftet. Ziel sei es,  „zur digitalen Region zu werden“. Den Anfang fand die Innovationsplattform Kufstein in einer Initiative der Wirtschaftskammer und mit den Impulsen des damaligen Camebridge-Professors Dr.  Shailendra Vyakarnam, erzählt Markus Gwiggner: „Was 2016 mit einem Workshop begann, hat sich inzwischen zum handfesten Fahrplan entwickelt. Wir wollen Bildungseinrichtungen und Wirtschaft durch gemeinsame Projekte noch enger zusammenschließen und mit gezielten Maßnahmen die digitale Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken.“  An der Gründung von i.ku im April 2017 sind die Wirtschaftskammer Kufstein, die Fachhochschule Kufstein, kufgem, die Stadt Kufstein, die Tourismusregion Kufsteinerland, die Stadtwerke Kufstein und die Stadtwerke Wörgl beteiligt. Neben einem vielfältigen Vortrags- und Dialogangebot steht vor allem die Bildung im Fokus der von der EU geförderten Initiative. „Gemeinsam mit dem Landesschulrat planen wir derzeit schulübergreifende Projekte und Angebote in den Bereichen Coding, Robotics, Designthinking und Unternehmertum. Unsere Sommercamps vergangenes Jahr haben gezeigt, wie groß das Interesse und die Nachfrage dafür sind.“  Es tut sich also was im Unterland. Dank engagierter Kreativer wie Markus Gwiggner. Was er sich für die Zukunft wünscht, fragen wir zum Abschluss noch. „Weniger Ego und mehr Eco. Alte Strukturen sollten aufgebrochen, neue Systeme aufgebaut werden“. 

In unserer neuen Serie "Aus den Agenturen" lassen wir hier einmal pro Monat kreative Köpfe zu Wort kommen. In Interviews und Reportagen zeigen wir, was Tirols Werber bewegt. Erzählt uns eure Geschichte: redaktionwerbungtirol.at